Ausstellung

Looping Time

Christian Ecker

09. 08. 2024, 18.00 Uhr

Freitag, 09.08.24
18h Eröffnung der Ausstellung
19h Artist Talk: Maria Bussmann im Gespräch mit Christian Ecker
20.30h DJ Set Anja Lechthaler

Was macht nun Christian Ecker mit der Zeit?

Zuerst vermisst er sie. Dafür baut er sich einen Maßstab. Er macht sich die Zeit mittels eines Zeit-Maßstabes zu eigen. Dieses handliche, ausklappbare Objekt mit einer Skala für Minuten und Stunden statt der üblichen Zentimeter sieht dem handelsüblichen gelben Zollstock zum Verwechseln ähnlich und ermöglicht es, die Zeit in Händen zu halten. Wo stehe ich? Wie viel Zeit habe ich (noch)?
Ein geschickter Schachzug! Dieses Zeitmaß lädt zum Experimentieren und Spielen ein und dieses Spiel führt uns Christian Ecker in diversen Varianten ganz virtuos, mittels diverser künstlerischer Techniken und stets mit einem Schmunzeln vor. Seine Werke lassen sich der Malerei, der Skulptur, der per- formativen Installation und der Fotografie zuordnen.
Der Zeitmaßstab ist immer wieder ein Ausgangspunkt.
Da gibt es die „gelehnte Zeit“ und die „gewölbte Zeit“ sowie ein Video von Sina Moser, in dem die Arbeiten Zeitfluss und Die Zeit im Schlepptau oder im Schlepptau der Zeit zu sehen sind. Und nicht zuletzt gibt es Christian Eckers grandioses Selbstporträt im Profil, der Zeitsprung – Selbstporträt mit Maßstab zur Vermessung der Zeit (alle Arbeiten 2021). Darin ist er vom gelben Zickzackkranz des Zeitmaßstabs umgeben, das Bild lässt einen an den Dogen von Venedig denken.
Wer in Zeitnot gerät, findet neben einem entsprechenden Notfall-Kit im gelben Kasten an der Wand gleich einen Nothammer (Ohne Titel, 2022), oder man angelt sich die Zeit mittels ausgeklapptem Zeit-Zollstock (Zeitfischen, 2021). Der Jagderfolg ist dabei unbedeutend. Beim Zeitfischen, so meinte Christian Ecker einmal zu mir, „geht es nicht primär um den Fang, man hat ja bereits die Zeit in Händen.“ Man handle daher besser im Sinne von Konfuzius, der sagt: „Wenn du es eilig hast, dann gehe langsam“. So bringt man sein Zeitkontingent schon mit an den Fluss oder See, bevor man die Angel aus-
wirft.
Man tut überhaupt gut daran, über einen Zeitpolster (2024) zu verfügen. Diesen bietet uns Christian Ecker in Form eines Kissens mit dem Aufdruck seines Zeitmaßstabes an.
Womöglich hatte in Anbetracht von Eckers weitreichenden Konzepten der antike Philosoph Antiphon recht, als er bereits im 5. Jahrhundert vor Christus sagte, dass Zeit keine Realität, sondern lediglich ein Konzept oder eine Messung sei. Oder sollten wir noch einen Schritt weiter gehen und Augustinus recht geben, für den die Zeit eine Ausdehnung des Geistes war?
Sicherlich trägt jedes der scheinbar so konträren Konzepte zur Zeit eine Wahrheit in sich. Denn die Zeit ist zwar einerseits linear, aber doch auch ein multiperspektivisches Phänomen. In einer E-Mail läßt mich Christian Ecker wissen: „Die Abstraktion Zeit, weder sicht- noch greifbar, hat mich interessiert. Wie kann man Zeit sichtbar machen?“ Er demonstriert den Besucher:innen der Ausstellung in den Räumlichkeiten der Fünfzigzwanzig auf vielfältige Weise, wie man die Zeit sehen bzw. auf sie blicken kann. Seine Arbeiten versprechen nicht nur den Gewinn einer erfüllten (Besuchs-)Zeit, sondern bergen auch Erkenntnisse über dieses alle Bewohner:innen unserer Erde betreffende, sich endlos mit ihr drehende Mysterium ZEIT.

(Auszug aus dem Ausstellungstext von Maria Bussmann)