Bögdana Kosmina, Neptunia, 2026
Foto: Bögdana Kosmina
Softshell-Archipel
mit
Sasha Auerbakh
Jason Bunton
Vasco Costa
Uladzimir Hramovich
Bögdana Kosmina
Wolfgang Obermair
Lesia Pcholka
Ekaterina Shapiro-Obermair
Nachdem ich eine Arbeit von mir – den Abguss einer Steinplatte mit Fossilien, auf der Münzen und Knopfzellen (Batterien) angeordnet sind – auf Instagram gepostet hatte, schrieb mich unser belarussischer Freund Uladzimir Hramovich an. Er zeigte mir online eine Arbeit, die er 2021 in Georgien gemacht hatte und die ihn an meine Arbeit erinnerte. Mehr noch, sie ähnelte ihr sogar ziemlich: eine Schieferplatte in der Form einer Malerpalette, auf der Münzen lagen. Er brachte sein Objekt außerdem in unmittelbarem Zusammenhang mit einer Grafik meiner Partnerin Ekaterina Shapiro-Obermair, die seiner Arbeit auf eine andere, unheimliche Weise glich: Sie zeigte die schwarze Silhouette einer Malerpalette. In diesem Moment wirkten für mich plötzlich diese drei Arbeiten wie Plateaus, die Verbindungen zueinander suchten.
Die Anekdote über die zufällige Übereinstimmung in der Praxis dreier befreundeter Künstler:innen und ihre Kommunikation über Social Media macht deren Arbeiten wie selbstverständlich zum Ausgangspunkt der Ausstellung. Sie erzählt eine gemeinsame Geschichte, die als Grundlage für eine futuristische Landschaft gelesen werden kann. Darüber hinaus eröffnet sie ein Modell gelebter Zusammenarbeit und produktiver Beziehungen zwischen Künstler:innen, die sich oft zunehmend isoliert erleben. Vorausgesetzt, dass Ähnlichkeiten oder Nachbarschaften nicht als Bedrohung der eigenen Originalität verstanden werden, sondern als etwas Neues, das im Austausch der Arbeiten entsteht.
Plateaus sind nicht unruhig wie die Linie, die sich von Gipfel zu Gipfel bewegt, sondern ein Zustand, der der temporären Stagnation eines Graphen an der Frankfurter Börse gleicht. Eine Ebene, die offen für Diskussionen ist, weil sie Ruhe vorgibt; ein Landeplatz für Hubschrauber und Raketen, aber auch eine höher gelegene Fläche in der Natur, die uns Ausblick gibt. Plateaus sind geologische Schichtungen, die freigelegt und bis auf den Rumpf abgetragen werden, die tektonisch gehoben oder vulkanisch aufgeworfen werden. Plateaus sind Teller und Tabletts, auf denen man Dinge anrichtet und innerhalb dieser Felder in Beziehung setzt. Ein Plateau bezeichnet auch die zwischen Erregung und Orgasmus liegende Phase beim Sex.
Und da wäre ja natürlich noch das Buch „Tausend Plateaus: Kapitalismus und Schizophrenie“ von Gilles Deleuze und Félix Guattari. Das ist ein Teil klassischer Kunsttheorie bzw. Philosophie, das uns allen irgendwie geläufig ist und dessen Erstveröffentlichung nun 45 Jahre zurückliegt. Deleuze und Guattari hatten damals natürlich noch keinen Schimmer von Instagram und Co. Die Idee, jedes Kapitel als autonomes Plateau zu errichten und diese dann als Rhizom zu verbinden, wurde aber zu einer Grundlage für das Verständnis einer medial geprägten Gesellschaft. Bei uns verdient der Gedanke auf jeden Fall eine Revision und soll uns hier auch als Inspiration dienen. Das weitverzweigte Rhizom wird in unserer Ausstellung eine Nähe erfahren. Die Inseln bilden eine Archipel, der unter Wasser verbunden ist. Wasserstand und Tektonik können diese Inseln zueinander führen, um sie in einem neuen Kontinent aufgehen zu lassen. Dieses utopische Bild trifft auf eine Realität, in der Landschaften wieder zunehmend territorial gelesen werden.
Bei Softshell Archipel sieht man Arbeiten, die sich sowohl mit formalen Fragen als auch mit gesellschaftlichen Beziehungsstrukturen jenseits der Kunst auseinandersetzen. Ausgangspunkt sind die Positionen der drei Protagonist:innen am Eingang dieses Textes, die jeweils weitere Künstler*innen eingeladen haben, mit denen sie sich verbunden fühlen. Die Arbeiten treten nicht nur innerhalb dieser Gruppen in Resonanz, sondern korrespondieren auch mit anderen Positionen der Ausstellung.
Text: Wolfgang Obermair
Die Ausstellung wird vom artist-run Space hoast (Wien) kuratiert.
Termine
Freitag, 13.0.2026, 18:00
Eröffnung
Freitag, 06.03.2026, 18:00
Softshell Archipel- Ein Gespräch zwischen Ulazdimir Hramovich und Ekaterina Shapiro-Obermair.
Bögdana Kosmina, Neptunia, 2026
Foto: Bögdana Kosmina
Lesia Pcholka, TRY TO READ MY STONES, 2023
Foto: Lesia Pcholka
Wolfgang Obermair, Fossile, 2023
Foto: Wolfgang Obermair
Ekaterina Shapiro-Obermair, Monument of Glory, Glory of the Monument, 2026 Videostill
Foto: Ekaterina Shapiro-Obermair
Vasco Costa, ANARCHIST TURNS RIGHT, 2026
Foto: Vasco Costa
Sasha Auerbakh, Knife-Hat, 2024
Foto: Simon Veres
Uladzimir Hramovich, Rebellious Things (New Wind), 2022
Foto: Philipp Pess
Jason Bunton, Hooded Mask & How It Might Have Been, 2026
Foto: Tina Van Duyne
Bögdana Kosmina, Neptunia, 2026
Foto: Bögdana Kosmina